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:: 6. Januar 2004    


Interview mit Csaba Huszty and Szabolcs Varga
Quelle: Radio Kossuth's Informationsmagazin 'Hálóban'

László Elek : Das ist kein Synthesizer mehr. Begeisterte Leute spielen nach Tausend Stunden Arbeit den echten Klang der Orgel der Matthias-Kirche auf einem Computer.
Während Judit Esti im Internet surfte, fand sie einen Webring von Orgelenthusiasten. Diese internationale Gemeinschaft wurde unlängst um eine neue ungarische Homepage erweitert, die noch nicht da gewesene, atemberaubend schöne Orgelklang-Sampels vorstellt. Die Story beginnt mit einem jungen Mann, der Orgel gelernt hat und daheim üben wollte. Wie dieser Anfang mit einer fantastischen Sound-Sample-Sammlung endete, darüber wird Csaba Huszty in den folgenden Minuten zusammen mit Szabolcs Varga, dem Geschäftsführer der Firma, die dieses Produkt veröffentlichte, reden.

Judit Esti: Der Klang einer Orgel ist sehr komplex. Wie konnten Sie einen solchen Nachhalleffekt realisieren, einen, der nur in einer Kirche gehört werden kann, wenn man einer echten Orgel zuhört?
Csaba Huszty: Nun, als erstes stellen wir die Mikrofone an die Stelle, von der wir annehmen, dass dort die Originaltöne und der Nachhall am besten klingen. Wir habenn nacheinander die Tasten der Orgel gedrückt und dann mit einem Computer eine Datenbank angelegt, deren Daten mit einem Programm und einem Synthesizer gesteuert werden können. So haben wir im Grunde ein neues Instrument erschaffen, eine virtuelle Orgel.
J.E.: Wie viele Töne haben Sie aufgenommen?
Cs.H.: Ich schätze, es wären ungefähr 1600-1700 Töne, die wir gespielt und aufgenommen haben.
Szabolcs Varga: Der Klang einer Orgel ist nie nur der Klang des Instruments selbst, sondern des Instruments, des Gebäudes (des Resonanzraumes), der Kirche. Anders ausgedrückt haben wir nicht nur einfach den Klang der Orgel der Matthias-Kirche aufgenommen, sonderen den Klang der Orgel in der Matthias-Kirche und auch den Klang der Kispest-Orgel in der Kispest-Kirche.
Wenn man zwei Register separat aufnähme und mit dem Computer gleichzeitig abspielt, würde es nicht genauso klingen, wie wenn man die Kombination beider Orgelregister aufnähme.
Cs.H.: Das ist genau der Grund, warum wir die Kombinationen genommen haben, so dass wir die Wechselwirkungen der Pfeifen aufnehmen konnten.
Sz.V.: Mit der mehr als doppelten Auflösung einer normalen CD haben wir diese Töne digital direkt auf einem Computer aufgenommen.
Cs.H.: Wir haben die Aufnahmen nachts gemacht, weil es da viel weniger Straßenlärm und keine Touristen in der Kirche gibt, die auch Geräusche erzeugen. Wir haben etwa 20-30 GB an Daten in der Matthias-Kirche aufgenommen.
Sz.V.: Dann kam die Nachbearbeitung. Säubern und Stimmen der Töne, Rauschen herausfiltern. Es ist kein Geheimnis: Der aufgenommene Klang der Orgel enthält eine Menge Rauschen, zum Beispiel ist der Gebläsemotor der Orgel ziemlich unangenehm zu hören, besonders in leisen Registern; das musste bei jedem Ton Stück für Stück entfernt werden...
Cs.H.: ...und tatsächlich sah es am Anfang nach einem Fehlschlag aus, weil es ein bisschen mehr ist, als nur alte Aufnahmen zu restaurieren. Wir mussten sehr sorgfältig sein, um nicht [eine einzige] wichtige Information des Klanges zu verlieren.
J.E.: Wie lange hat das gedauert?
Cs.H.: Ich habe über Tausend Stunden damit verbracht und das Rauschfiltern hat ein Jahr gedauert. Es gab ziemlich viele Rund-um-die-Uhr-Tage...
Sz.V.: Nachdem wir hunderte von Stunden damit zugebracht haben, die Sounds von allen Arten von Geräuschen wie die des Orgelgebläses zu säubern, haben wir den Klang des Orgelgebläses aufgenommen, damit man ihn zum Klang zurückmischen kann, um ihn authentisch zu machen. Auf diese Weise hört man das Gebläsemotorgeräusch nur ein einziges mal, nicht vielfach [als ob wir ihn am Anfang erst gar nicht heraus gefiltert hätten].
J.E.: Worin besteht der Unterschied zu einem gewöhnlichen, traditionellen Synthesizers, bei dem man sehr gut seinen maschinenerzeugten , künstlichen Klang fühlen kann?
Sz.V.: Der Name des üblichen Synthesizers entstammt der Tatsache, dass er einen Klang synthetisiert...
J.E.: ...das heisst...
Sz.V.: ...das heisst, dass er den Klang erzeugt, indem er Oszillatoren und andere Arten von elektronischen Schaltungen verwendet; des weiteren, was in Ungarn normalerweise Synthesizer genannt wird, aber tatsächlich billige Keyboards sind, nun, sie enthalten üblicherweise auch gesampelte Klänge, aber in viel schlechterer Qualität, viel weniger Töne und sie machen verschiedene Berechnungen, um bei Verwendung dieser wenigen Soundsamples wenigstens ein bisschen anständigen Klang zu erzeugen.
Cs.H.: Eine elektrische Orgel enthält den Klang eines ganzen Registers auf sehr kleinem Platz, weil sie sich selbst wiederholende, geloopte Soundsamples verwendet. In unseren Samples gibt es keine Loops. Wir verwenden 30-Sekunden-Töne (eine Minute im Pedal) und es gibt keine zweiten, der wiederholt wird.
Sz.V.: Beispielsweise enthält ein hochqualitativer Synthesizer insgesamt 48 MB komprimierter Soundsamples und das entspricht bereits Hunderten von Klangfarben. In unserem Fall entspricht die Sample-Datenmenge gerade mal eines Registers 200-400 MB; so gibt es Orgelklangfarben in vielen anderen Instrumenten aber in viel schlechterer Qualität.
Cs.H.: Wir dachten, dass Musiker dies nutzen wollen...
Sz.V.: ...Musiker und Komponisten zum Üben und für's Komponieren, weiterhin Studios, wo man sehr authentische, sehr schöne Orgelklänge braucht –zum Beispiel für eine Filmmusik.
J.E.: Das muss soviel kosten wie ein Klavier.
Cs.H.: Nein, nicht so viel, das denke ich nicht...
Sz.V.: ...ein Register, eine Pfeifenreihe einer echten Orgel kostet etwa 1-1.5 million HUF [5-8000 USD ungefährer Handelspreis] und eine elektrische Orgel mit wenigen Dutzend Registern liegt noch immer bei einigen Millionen HUF. Selbst wenn Sie unser Equipment alles neu kaufen (PC, Pedal, Alle Controller), liegt es unter einer Million HUF [5000 USD]. Zusammen mit der Software und Allem.
J.E.: Wie sind die Aussichten dieser Möglichkeit, eine so realistische Orgelmusik mit diesen Sounds zu spielen?
Cs.H.: Ich denke, das langfristige Ziel sollte es sein, digitale Archive zu erzeugen, weil das, was wir gerade gemacht haben, nicht einfach das Aufnehmen der Orgelklänge ist, sondern das Aufnehmen während eines bestimmen Zustandes. Auf eine gewisse Weise haben wir einen ‘Schnappschuss' der Orgel gemacht, so wie sie im Februar 2003 war und das könnte mit anderen Orgeln genauso gemacht werden, was die Basis für eine durchsuchbare Datenbank werden könnte.
Sz.V.: Wir könnten ein Musikmuseum erschaffen, in dem man – anders als bei den jetzigen – tatsächlich die Instrumente spielen kann.
Elek László: Sie hörten Csaba Huszty und Szabolcs Varga zu den Orgelsamples.


 

 




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