Interview
mit Csaba Huszty and Szabolcs Varga
Quelle:
Radio Kossuth's Informationsmagazin 'Hálóban'
László
Elek : Das ist kein Synthesizer mehr. Begeisterte Leute spielen
nach Tausend Stunden Arbeit den echten Klang der Orgel der Matthias-Kirche
auf einem Computer.
Während Judit Esti im Internet surfte,
fand sie einen Webring von Orgelenthusiasten. Diese internationale
Gemeinschaft wurde unlängst um eine neue ungarische Homepage
erweitert, die noch nicht da gewesene, atemberaubend schöne
Orgelklang-Sampels vorstellt. Die Story beginnt mit einem jungen
Mann, der Orgel gelernt hat und daheim üben wollte. Wie dieser
Anfang mit einer fantastischen Sound-Sample-Sammlung endete, darüber
wird Csaba Huszty in den folgenden Minuten zusammen mit Szabolcs
Varga, dem Geschäftsführer der Firma, die dieses Produkt
veröffentlichte, reden.
Judit
Esti: Der Klang einer Orgel
ist sehr komplex. Wie konnten Sie einen solchen Nachhalleffekt
realisieren, einen, der nur in einer Kirche gehört werden
kann, wenn man einer echten Orgel zuhört?
Csaba Huszty: Nun, als erstes stellen wir die
Mikrofone an die Stelle, von der wir annehmen, dass dort die Originaltöne
und der Nachhall am besten klingen. Wir habenn nacheinander die
Tasten der Orgel gedrückt und dann mit einem Computer eine
Datenbank angelegt, deren Daten mit einem Programm und einem Synthesizer
gesteuert werden können. So haben wir im Grunde ein neues
Instrument erschaffen, eine virtuelle Orgel.
J.E.:
Wie viele Töne haben Sie aufgenommen?
Cs.H.: Ich schätze, es wären ungefähr
1600-1700 Töne, die wir gespielt und aufgenommen haben.
Szabolcs Varga: Der Klang einer Orgel ist nie
nur der Klang des Instruments selbst, sondern des Instruments,
des Gebäudes (des Resonanzraumes), der Kirche. Anders ausgedrückt
haben wir nicht nur einfach den Klang der Orgel der Matthias-Kirche
aufgenommen, sonderen den Klang der Orgel in der Matthias-Kirche
und auch den Klang der Kispest-Orgel in der Kispest-Kirche.
Wenn man zwei Register separat aufnähme und mit dem Computer
gleichzeitig abspielt, würde es nicht genauso klingen, wie
wenn man die Kombination beider Orgelregister aufnähme.
Cs.H.: Das ist genau der Grund, warum wir die
Kombinationen genommen haben, so dass wir die Wechselwirkungen
der Pfeifen aufnehmen konnten.
Sz.V.: Mit der mehr als doppelten Auflösung
einer normalen CD haben wir diese Töne digital direkt auf
einem Computer aufgenommen.
Cs.H.: Wir haben die Aufnahmen nachts gemacht,
weil es da viel weniger Straßenlärm und keine Touristen
in der Kirche gibt, die auch Geräusche erzeugen. Wir haben
etwa 20-30 GB an Daten in der Matthias-Kirche aufgenommen.
Sz.V.: Dann kam die Nachbearbeitung. Säubern
und Stimmen der Töne, Rauschen herausfiltern. Es ist kein
Geheimnis: Der aufgenommene Klang der Orgel enthält eine
Menge Rauschen, zum Beispiel ist der Gebläsemotor der Orgel
ziemlich unangenehm zu hören, besonders in leisen Registern;
das musste bei jedem Ton Stück für Stück entfernt
werden...
Cs.H.: ...und tatsächlich sah es am Anfang
nach einem Fehlschlag aus, weil es ein bisschen mehr ist, als
nur alte Aufnahmen zu restaurieren. Wir mussten sehr sorgfältig
sein, um nicht [eine einzige] wichtige
Information des Klanges zu verlieren.
J.E.:
Wie lange hat das gedauert?
Cs.H.: Ich habe über Tausend Stunden damit
verbracht und das Rauschfiltern hat ein Jahr gedauert. Es gab
ziemlich viele Rund-um-die-Uhr-Tage...
Sz.V.: Nachdem wir hunderte von Stunden damit
zugebracht haben, die Sounds von allen Arten von Geräuschen
wie die des Orgelgebläses zu säubern, haben wir den
Klang des Orgelgebläses aufgenommen, damit man ihn zum Klang
zurückmischen kann, um ihn authentisch zu machen. Auf diese
Weise hört man das Gebläsemotorgeräusch nur ein
einziges mal, nicht vielfach [als ob wir
ihn am Anfang erst
gar nicht heraus gefiltert hätten].
J.E.:
Worin besteht der Unterschied zu einem gewöhnlichen, traditionellen
Synthesizers, bei dem man sehr gut seinen maschinenerzeugten ,
künstlichen Klang fühlen kann?
Sz.V.: Der Name des üblichen Synthesizers
entstammt der Tatsache, dass er einen Klang synthetisiert...
J.E.: ...das heisst...
Sz.V.: ...das heisst, dass er den Klang erzeugt,
indem er Oszillatoren und andere Arten von elektronischen Schaltungen
verwendet; des weiteren, was in Ungarn normalerweise Synthesizer
genannt wird, aber tatsächlich billige Keyboards sind, nun,
sie enthalten üblicherweise auch gesampelte Klänge,
aber in viel schlechterer Qualität, viel weniger Töne
und sie machen verschiedene Berechnungen, um bei Verwendung dieser
wenigen Soundsamples wenigstens ein bisschen anständigen
Klang zu erzeugen.
Cs.H.: Eine elektrische Orgel enthält den
Klang eines ganzen Registers auf sehr kleinem Platz, weil sie
sich selbst wiederholende, geloopte Soundsamples verwendet. In
unseren Samples gibt es keine Loops. Wir verwenden 30-Sekunden-Töne
(eine Minute im Pedal) und es gibt keine zweiten, der wiederholt
wird.
Sz.V.: Beispielsweise enthält ein hochqualitativer
Synthesizer insgesamt 48 MB komprimierter Soundsamples und das
entspricht bereits Hunderten von Klangfarben. In unserem Fall
entspricht die Sample-Datenmenge gerade mal eines Registers 200-400
MB; so gibt es Orgelklangfarben in vielen anderen Instrumenten
aber in viel schlechterer Qualität.
Cs.H.: Wir dachten, dass Musiker dies nutzen
wollen...
Sz.V.: ...Musiker und Komponisten zum Üben
und für's Komponieren, weiterhin Studios, wo man sehr authentische,
sehr schöne Orgelklänge braucht –zum Beispiel für
eine Filmmusik.
J.E.:
Das muss soviel kosten wie ein Klavier.
Cs.H.: Nein, nicht so viel, das denke ich nicht...
Sz.V.: ...ein Register, eine Pfeifenreihe einer
echten Orgel kostet etwa 1-1.5 million HUF [5-8000
USD ungefährer Handelspreis] und eine elektrische
Orgel mit wenigen Dutzend Registern liegt noch immer bei einigen
Millionen HUF. Selbst wenn Sie unser Equipment alles neu kaufen
(PC, Pedal, Alle Controller), liegt es unter einer Million HUF
[5000 USD]. Zusammen mit der Software
und Allem.
J.E.:
Wie sind die Aussichten dieser Möglichkeit, eine so realistische
Orgelmusik mit diesen Sounds zu spielen?
Cs.H.:
Ich denke, das langfristige Ziel sollte es sein, digitale
Archive zu erzeugen, weil das, was wir gerade gemacht haben, nicht
einfach das Aufnehmen der Orgelklänge ist, sondern das Aufnehmen
während eines bestimmen Zustandes. Auf eine gewisse Weise
haben wir einen ‘Schnappschuss' der Orgel gemacht, so wie sie
im Februar 2003 war und das könnte mit anderen Orgeln genauso
gemacht werden, was die Basis für eine durchsuchbare Datenbank
werden könnte.
Sz.V.:
Wir könnten ein Musikmuseum erschaffen, in dem man
– anders als bei den jetzigen – tatsächlich die Instrumente
spielen kann.
Elek
László: Sie hörten Csaba Huszty und Szabolcs
Varga zu den Orgelsamples. 
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